Eschweger Biergeschichte

Simon Siegel, der Schwiegervater des späteren Brauereibegründers Christoph Andreas, „3 Zober 18 Maas Bier für die Schuljugend aufs Johannisfest“. Es amüsiert am Rande, dass – nach den Eintragungen in den Stadtrechnungen – die Polizisten der Stadt den Schuljungen das Bier einzuschenken hatten! Es gibt 4 Arten Bier: das gewöhnliche, welches nicht immer gut ist, und doch gut sein müsste, um den Schnaps zu verdrängen, das Felsenbier, welches leicht berauscht, aber wenig Kraft gibt, das Lagerbier und das Weizenbier, welche beide letztere Biersorten, offenbar die wohlschmeckendsten und gesündesten, selten gebraut werden. Und woran erkennt man einen Betrunkenen?...Herbert Fritsche berichtet informativ über die Eschweger Biergeschichte und den Wandel der Zeit. Mehr erfahren.

Eschweger Biergeschichte

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Mit dem Bier ist es in Eschwege offenbar so wie mit dem Johannisfest: Es gäbe es seit „undenklichen Zeiten“, behaupten die anerkannten Chronisten von beidem. Tatsächlich ist bereits in einer Klosterurkunde von 1342 ein erstes Brauhaus in unserer Stadt erwähnt, und aus dem Jahre 1369 stammt die Nachricht, dass die Mönche des Augustinerklosters Bier brauten und es auch an die Bürger der Stadt ausschenken durften. Es ist schon ein reizvoller historischer Tatbestand, dass die heutige Brauerfamilie Andreas nach Ankauf der ehemaligen Klosteranlagen bis auf den heutigen Tag das Eschweger Bier dort braut, wo es die Augustiner schon vor Jahrhunderten hergestellt und vor allem erst einmal trinkbar gemacht hatten. Fast hätte sich übrigens dieser Kreislauf der Geschichte nicht schließen können, denn die Stadt Eschwege, von der Jacob Andreas das Klostergelände 1875 erwarb, hatte das Grundstück ursprünglich vom Preußischen Staat gekauft, um dort den notwendigen Neubau für das seit 1840 wieder bestehende Gymnasium ausführen zu lassen. Doch hätten dort nun die aufgeweckten „jungen Geister“ einer Schule statt der im Fasse gefangenen „Kellergeister“ jungen Bieres zur Reife gegärt, so hätte sich auch dafür ein Anknüpfungspunkt finden lassen, denn die Augustinermönche haben neben der Braukunst nachweislich stets auch das Schulwesen in Eschwege gefördert, wenn es auch für die Reihenfolge er Wichtigkeit ihrer beiden Bemühungen keine schlüssigen Beweise gibt. Nebenbei bemerkt stammt die älteste Nachricht über eine Eschwege Schule von 1340 und ist damit genau 2 Jahre älter als der älteste Hinweis auf das Eschweger Bier, aber auch das will für das hochmittelalterliche Leben in der Stadt mit einem gewiss verträglichen Nebeneinander von lustigen Zechern und fleißigen Schülern nicht viel sagen! Eine direkte Verbindung zwischen der Schuljugend und dem Bier gibt es aber tatsächlich doch, denn es wurde auf Kosten der Stadt regelmäßig zum Johannisfest nach dem Maienzug auf dem Werdchen ausgeschenkt, und bei einem frischen Bier ließen Schüler und Lehrer gemeinsam die Stadt hochleben! Nach der Kämmereirechnung von 1811 lieferte z.B. Simon Siegel, der Schwiegervater des späteren Brauereibegründers Christoph Andreas, „3 Zober 18 Maas Bier für die Schuljugend aufs Johannisfest“. Es amüsiert am Rande, dass – nach den Eintragungen in den Stadtrechnungen – die Polizisten der Stadt den Schuljungen das Bier einzuschenken hatten!


Der erste 'Stadtpark" vor dem Dünzebacher Tor, 1860. (Gemälde von Ernst Metz 1972)

 

Fastenspeise und Grundnahrungsmittel

Bevor nun aber überhaupt weiter vom Bier geredet wird, muss es erst einmal genießbar gemacht werden. Zwar heißt es in einem Sprichwort: „Wie man's gebraut hat, muss man's trinken“, doch gerade das wollten die alten Klosterbrüder nicht! Denn das wegen seiner dunklen Farbe so genannte „Rotbier“ war anfangs – obwohl bereits mit Gerstenmalz gebraut – noch dünn und fade und wurde vor allem leicht sauer. Die Mönche, um eine nahrhafte und gut bekömmliche „Beikost“ zu ihrer – vor allem in der Fastenzeit – oft kargen Mahlzeit besorgt, waren um die Weiterentwicklung der Bierqualität also aus ganz nahe liegenden Gründen besonders bemüht.

Das eröffnete der Zusatz von Hopfen – bereits in karolingischen Klöstern erprobt – ganz neue Geschmacks-Dimensionen, denn nun bekam das Bier nicht nur seinen angenehm erfrischenden Bittergeschmack, sondern wurde vor allem auch haltbar und längere Zeit lagerungsfähig. Sogleich muss der Konsum in den Klöstern sprunghaft angestiegen sein, denn – offenbar auf dem Umweg über seine Auswirkungen – bereicherte das Bier nun auch noch die klösterlichen Strafregister. Der englische Erzbischof Theodor legte um 600 n. Chr. für seine Diözese fest: „Ist ein Priester so betrunken, dass er die heiligen Psalmen nur noch lallt, soll er für die Dauer von zwölf Tagen nur von Brot und Wasser leben. Ist ein Mönch so besoffen, dass er speien muss, soll er dreißig Tage Buße tun.


Der 1894 erbaute und 1966 abgebrochene Stadtpark stand an der Stelle der 1971 eingeweihten Stadthalle.

Und woran erkennt man nun einen Betrunkenen? Auch das legte der brave englische Kirchenmann fest: „Launische Stimmung, mangelnde Kontrolle der Zunge, rollende Augen, Schwindel im Kopf, geschwollener Bauch und nachfolgende Übelkeit …“

Vielleicht überprüfen Sie gelegentlich die genannten Symptome einmal wieder in einem kleinen Selbstversuch? Das Angenehme jedenfalls am Bier im klösterlichen Leben war, dass es nach dem alten Motto „Flüssiges bricht das Fasten nicht!“ eben auch in der Fastenzeit erlaubt war, gut schmeckte, als gesund galt und den leeren Bauch mit Zufriedenheit füllte! Alles wohl wichtige Voraussetzungen seiner ständig steigenden Popularität.

Der Trick mit dem Hopfenzusatz war jedenfalls ein durchschlagender Erfolg gewesen, und auch unsere Eschweger Augustiner werden ihn beherrscht haben. Schon die gebildete Hildegard von Bingen beschrieb 1150 den Nutzen des Hopfens für das Bier, und etliche Flurbezeichnungen rings um Eschwege – wie z.B. der „kleine Hopfenberg“ – belegten, dass man den Hopfen auch in unserer Landschaft anbaute.

Lange berichtet dazu in seiner Beschreibung Kurhessens 1858: „Im Mittelalter war der Hopfenbau (bei Eschwege) ziemlich stark, aber der Dreißigjährige Krieg und das Umsichgreifen des Brandweins brachten ihn sehr herab, so dass er jetzt kaum noch 70 bis 80 Acker einnimmt.“ Und nach der Stadtrechnung von 1811 bezogen noch vier verschiedene Eschweger Bürger aus den städtischen Waldungen über 200 Hopfenstangen. Im Spätmittelalter muss auch das bürgerliche Brauwesen, das sich neben dem klösterlichen entwickelt hatte und als besondere Gerechtsame an den Hausbesitz geknüpft war, gute Fortschritte gemacht haben. Nach der Reihe konnten die Hausbesitzer in einem der städtischen Brauhäuser – eines stand in der noch heute danach so genannten Straße „Am Brauhaus“, und es wurde 1839 von Christoph Andreas erworben; ein zweites am „Neustädter Marktplatz“, dem „Plan“, und ist in seiner Ausbaustufe von 1712 noch heute als Geräteschuppen des THW zu sehen – auf eigene Rechnung und zum eigenen Verzehr eine bestimmte Menge Bier brauen. 1449 kam Landgraf Ludwig I. zu Weihnachten mit seiner Gattin eigens nach Eschwege, um das neu errichtete Brauhaus zu besichtigen. Gewiss wird er auch einen Probetrunk getan haben. Wie der jedoch ausfiel, kann man allenfalls mutmaßen, denn als sein Enkel 1493 wegen politischer Verhandlungen im Eschweger Brauhaus weilte, ließ der sich Einbecker Bier holen, wie die Stadtrechnungen belegen!

Das aber berechtigt nicht unbedingt zu (negativen) Rückschlüssen auf die Güte des Eschweger Bieres. Denn schlecht kann das Bier nicht gewesen sein. Jedenfalls gibt es einen schönen Beleg für seine Güte aus der Feder des schon erwähnten Franzosen Samuel Chappuzeau, der ja um 1670 unsere Gegend bereiste, um geeignete Gebiete zu finden, in denen seine hugenottischen Landsleite Aufnahme finden könnten. Er schreibt in seinem Bericht über unsere Gegend: „Das Land hat großen Überfluss an allen zum Leben notwenigen Dingen. Brot wird häufiger verschenkt, als man es kaufen muss. Fleisch und Wild ist dort billiger, als an jedem anderen Ort der Welt, das Bier ist ausgezeichnet …!“ Und Johan Justus Winkelmann vermerkte in seiner Beschreibund des Fürstentums Hessen (1697): „Weil nicht allenthalben im Hessenland Wein wächset, auch dem gemeinen Mann denselben allezeit zu trinken die Kosten nicht erträgt, so pflegt derselbe Bier zu brauen, wodurch an etlichen Orten sehr gutes Bier gebrauchen wird…

Der Leuchtberg-Felsenkeller, 1883. (Gemälde von Ernst Metz 1957)



So ist das Marburger, Eschweger, Casselische, Melsunger und Cuxhagener als gutes Bier bekannt!“ Bei der Erwähnung des Marburger Bieres unter den Qualitätsbieren kann man allerdings schmunzeln, denn dort ging unter den Studenten die Anekdote um, ein Medizinstudent, der sich über das fade Bier geärgert hatte, habe seinem Professor eine Probe davon in einem Reagenzglas zur Analyse untergeschoben und als Resultat erhalten: „Ihr Pferd hat Zucker!“ Dieser allerdings nicht verbürgte Bericht erinnert sehr stark an jenen spanischen Soldaten – einen Rotweintrinker also vermutlich – der im Dreißigjährigen Krieg nach Deutschland kam, sein erstes Bier sah, einen tiefen Schluck nahm, ausspie und als Beurteilung der Probe lauthals verkündete, der Geschmack erinnere ihn „an den Urin eines fiebrigen Hengstes“! (25) Bald sprach man vom „flüssigen Brot“, und obwohl vielen Sozial- und Wirtschaftshistorikern heute die Verbreitung des Bieres als ein Indiz für eine zunehmende Verarmung und Proletarisierung der Bevölkerung gilt, darf man das Bier neben Brot und Fleisch zu den unbedingt notwendigen Grundnahrungsmitteln bis tief in das 19. Jahrhundert zählen. Bier wurde als Getränk bald zu nahezu allen Mahlzeiten gereicht – auch den Kindern! – weil wegen der sanitären Verhältnisse in den Städten – Fäkaliengruben und Dungstätten neben den Brunnenschächten – das Wasser als Tischgetränk nahezu völlig ausfiel. Freilich war das Bier dünner und alkoholärmer, und trotz der Redensart „Wasserreich und hopfenarm ist ein Bier das Gott erbarm“ wurde es gern und in ständig zunehmenden Mengen getrunken.

„Reihebrauen“ und „wirkliche“ Brauer

Das waren sicherlich gute Voraussetzungen für die Gründung einer Brauerei, obwohl im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts das Bier durch Kaffee und Branntwein weitere ernsthafte Konkurrenten bekommen hatte. Der schon zitierte Dr. Carl Schreiber, der bei Abfassung seines Buches über den Amtsbezirk Eschwege 1849 schon genau ein Jahrzehnt Bier z. B. aus der Brauerei Andreas getrunken haben könnte, schreibt dazu: „Das Bier ist im Ganzen gut; vorzüglich in der Stadt Eschwege und in Reichensachsen..“ Über das Bier findet sich noch an anderer Stelle bei Schreiber ein interessanter Hinweis, wenn er schreibt: „Es gibt 4 Arten Bier: das gewöhnliche, welches nicht immer gut ist, und doch gut sein müsste, um den Schnaps zu verdrängen, das Felsenbier, welches leicht berauscht, aber wenig Kraft gibt, das Lagerbier und das Weizenbier, welche beide letztere Biersorten, offenbar die wohlschmeckendsten und gesündesten, selten gebraut werden.“ Die Zeitkritiker waren sich darüber einig, dass Bier – als ein vergleichsweise harmloses, ja gesundes Getränk – den immer stärker aufkommenden „tödlichen Branntwein“ würde verdrängen können, wenn es nur gut genug wäre! Pfister schrieb 1840 – also fast gleichzeitig mit der Brauereigründung der Andreas – in seiner „Landeskunde Kurhessens“: „Es wäre ein heilsamer Schritt, wenn auf recht vielen Ökonomien die Brennereien durch Brauereien verdrängt würden. Im Allgemeinen stehen die hessischen Biere manchem anderen nach, obgleich in neuerer Zeit an vielen Orten eine bedeutende Verbesserung erfolgt ist.“ Und warum sollte Pfister damit nicht auch Eschwege gemeint haben? Denn hier ist spätestens seit dem 08. März 1839 der Gastwirt, Metzger und Bierbrauer Christoph Andreas unter weiteren Kollegen nachweisbar. An diesem Tage führte die „Kurfürstliche Polizeikommission“ eine Qualitätskontrolle aller in der Stadt gebrauten Biere durch, deren Ergebnisse drei Tage später im „Eschweger Anzeiger“ veröffentlicht wurde.

Das Resultat konnte sich durchaus sehen lassen. Den schon kurz beschriebenen Brauch des so genannten „Reihebrauens“ hatte man 1839 in Eschwege inzwischen aufgegeben, die Zahl der einmal mehr als 300 Bürger ausmachenden Brauberechtigten hatte sich auf nun sechs „wirkliche“ Brauer reduziert, sämtlich zugleich Gastwirte, die nun die Bevölkerung versorgten: Heinrich Bödicker, Friedrich Hempfing, Jacob Heinemann, Reinhard Methe, Jacob Methe und eben jener Christoph Andrä, wie sein Name in der Zeitung vermerkt war. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatten rund 180 Brauberechtigte in den beiden Brauhäusern der Alt- und Neustadt ihre Lose genutzt. Die Lösung des „Reihebrauens“ war jedoch bereits zu dieser Zeit mehr als unbefriedigend, denn jeder „Brauer“ kam etwa nur jedes achte Jahr „an die Reihe“. Noch schlimmer war es übrigens beim „Broihan“ – Brauen – „Broihan“ oder auch „Brühan“ ist ein leichteres aus Weizen gebrautes Weißbier – denn die Nutzung des Broihanbrauhauses unter dem Berge durfte man nach Losentscheid nur etwa alle dreißig Jahre erwarten! Pro Gebräu mussten nach Aufzeichnungen der Stadtkämmerei 24 Malter Malz 4,5 Malter Hopfen und für die Heizung 8 Schock kleines Wellholz gerechnet werden. Um allen Bürgern, bzw., den brauberechtigten Hausbesitzern, die noch bereit waren, dafür eine besondere Abgabe an die Stadtkasse zu leisten, auch ihr Braurecht zu gewährleisten, standen z. B. noch 1777 drei Braumeister, drei Trinkmesser, drei Feuerschürer für die Braupfannen, drei Pfannenknechte, sieben Malzsäcker und ein Malzwieger in städtischen Diensten! Da war die Reduzierung der Brauer auf einige wenige sachkundige, die mit ihrem Gebräu seit Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Kunden in ihren eigenen Gaststätten bedienten, ein wirklicher Fortschritt, zumal einen gestrenge städtische Obrigkeit nun auch die Qualität des Bieres regelmäßig überwachte. So erzielte z. B. Christoph Andreas bei der schon erwähnten Revision 1839 für das „ordinaire Bier“ das Prädikat „ziemlich gut“ und für sein „Bitterbier“ die Note „gut“! Leicht einschränkend hieß es allerdings über die Farbe des ersteren: „ dunkel, noch nicht ganz klar“, doch Christoph Andreas muss sehr rasch hinzugelernt haben, denn schon im Dezember des Brauereigründungsjahres 1839 erhielt der Firmengründer – und zugleich Urgroßvater des heutigen Seniorchefs Jacob Ernst Andreas – durchweg das Prädikat „gut“, auch für das neu ins Programm aufgenommene „Lagerbier“.

Die anderen Brauer waren Friedrich Hempfing, Christoph Schreiber, Reinhard Methe, Jacob Methe und Heinrich Bödicker. Aller anderen Brauer Bier erhielt im Prinzip ebenfalls gute Kritiken, das „Eschweger“ jener Jahre muss jedenfalls wirklich nicht schlecht gewesen sein. „Rein und gut“ bescheinigt die Polizeikommission den Geschmack, „hell und klar“ die Farbe. Nur zweimal klingt ein wenig Negatives an, wenn es beim Geschmack zweier Gebräue heißt: „etwas scharfbrenzelicht“ und „rein, jedoch etwas dünne“. Einige Produkte aus Brauereien auf den umliegenden Dörfern kommen da jedoch noch wesentlich schlechter weg. Ein Bier aus Reichensachsen erhält das Prädikat „unangenehmer Geschmack“, ein anderes aus Niederdünzebach die Bemerkung „kraftlos“, ein weiteres aus Eltmannshausen gar „widrig“! In einer Anmerkungsspalte zieht der Prüfungsbericht seine Schlüsse: Bei schlechterem Urteil wird die Steuer auf die Hälfte herabgesetzt, gelegentlich wird jedoch ohne Umschweife angeordnet: „Ausschütten“!

„Klosterbräu“…

Bis 1875 brauten die Andreas dann ihr Bier im alten städtischen Brauhaus „am Brauhaus“, lagerten es im Leuchtbergfelsenkeller und verzapften es in der familieneigenen Gaststätte in der „Viehgasse“ der späteren „Stadt Eschwege“ in der heutigen Marktstraße. Christoph, von dem ein interessantes handschriftliches Rechenbuch aus dem Jahre 1823 im Familienarchiv erhalten geblieben ist, hat darin als Vierzehnjähriger u. a. schon mit Malz und Bier gerechnet und schien also damals bereits für seinen späteren Beruf als Brauer vorbestimmt. Im übrigen war er offenbar ein „Glückspilz“ gewesen, denn im gleichen Jahr der Brauereiübernahme – vor 150 Jahren, im Frühjahr 1839 also – wurde ihm sein Sohn Jacob geboren, der dann später durch den Ankauf der alten Klosteranlage erst eigentlich die „Klosterbrauerei“ begründete und die Brauerei von einem anfangs wohl noch bescheidenen Familienbetrieb zu einem weit über die Kreisgrenzen hinausreichenden Unternehmen von beachtlicher Größenordnung machte. Er erfreute sich in der Stadt großen Ansehens und war auch in der Kommunalpolitik tätig. Im Juni 1880 wählte man ihn in den Kreistag, neun Jahre später – am 03. Juni 1889 – neben den Herren Brill, Saame, Döhle, Junghans und Holzapfel in den Stadtrat. Sein Sohn Ernst setzte später dann übrigens diese Tradition fort und wurde in Anerkennung seiner Verdienste 1964 von der Stadt Eschwege zum Ehrenbürger ernannt.

Damals nahm man es mit dem Datenschutz offenbar noch nicht so genau, und so erfahren wir, dass Jacob Andreas, „Bierbrauer zu Eschwege“, im Juli 1888 hinter dem Cartonnagenfabrikanten Peter Israel in Wanfried, dem Gutsbeitzer Johann Strauß in Grebendorf und dem Mühlenbesitzer Trieloff aus Wanfried auf Platz Vier rangierte, uns es sei verraten, dass der Jahresbetrag der Gewerbesteuer für diesen Rang genau 162 Goldmark betrug! Nach der im Stadtarchiv vorhandenen Kämmereirechnung von 1810 gab es in Eschwege in diesem Jahr noch 8 Brauer, die für ihren Bierverkauf in die Stadtkasse zu zahlen hatten. Darunter findet sich aber noch kein Andreas. Es waren: Wilhelm Rode, Johannes Moritz, Commerzienrath Döhle, Braumeister Siegel, Secretair Schilbe, Johannes Völke, Reinhard Schäfer. Die meisten Fässer hatte nach dieser Auflistung der „Braumeister Siegel“ verkauft, und in den Stadtrechnungen von 1811: „Einnahmegeld von der verpachteten Bierbrauerey 700 Thaler vom 14. April 1810 bis dahin 1811, und ist solche auf 3 nacheinanderfolgende Jahre um diese Summer an Simon Siegel verpachtet, der Pacht fängt am 14. April 1810 an.“

Dieser Braumeister Siegel hatte seine Tochter Anna Catharina – und die heiratete Christoph Andreas. Somit war der Brauer Siegel dessen Schwiegervater. Er selbst war als Metzger tätig, wie zahlreiche Eintragungen über seinen Fleischverkauf aus den Jahren zwischen 1830 und 1836 belegen. Es ist also zu vermuten, dass Christoph Andreas – in der vierten Generation wie alle seine Vorfahren Andreas Metzgermeister – die Braukunst von seinem Schwiegervater Siegel erlernte und sich dann 1839 dazu entschloss, das Altstädter Brauhaus zu übernehmen, das bis dahin wahrscheinlich leerstand. In der Kämmereirechnung von 1811 jedenfalls ist zu lesen: „Hierzu hat sich kein Pächter gefunden.“


Die Hospitalkapelle von 1484, die heute zur Klosterbrauerei gehört, mit dem Hospital St. Elisabeth um 1840. (Gemälde von Ernst Metz 1962).

Geschichten rund ums Bier

„Gemütlichkeit wird da gefunden, wo Bier, Durst und Humor verbunden!“, so sagt jedenfalls ein weiteres Sprichwort, und wenn nun das Eschweger Bier in den Mittelpunkt gestellt und entsprechend gelobt wird, dann gibt es vielleicht auch kritische Stimmen, die auf die damit verbundenen Suchegefahren hinweisen. Alkoholika gelten heute als „Einstiegsdrogen“ und die Alkoholabhängigkeit ist in der Wohlstandsgesellschaft verbreiteter als gemeinhin angenommen oder zugegeben wird. Aber schon der alte Paracelsus sagte, Gift sei eine Frage der Dosis und mit dem Bier ist wohl wie mit allen anderen Gottesgaben auch: Auf den Menschen kommt es an, wie er damit umgeht, was er daraus macht, wie viel er davon trinkt! Im 19. Jahrhundert jedenfalls müssen die Verhältnisse noch gutüberschaubar gewesen sein, denn der schon früher zitierte Dr. Schreiber hält fest: „Nach einer officiellen Liste waren im ganzen Physikatsbezirke 6 Zänker, 11 Müssiggänger und 14 Trunkenbolde.“ Otto Heinemann, der Vater des Bundespräsidenten Gustav Heinemann, schreibt in seinen Memoiren über Eschwege um 1880, die „Neigung zum Trunk“ sei stark verbreitet gewesen und das Vergnügen der Männer habe einzig im Wirtshausbesuch bestanden.

Notorische Trinker wurden sogar plötzlich verfolgt, auf die so genannte „Säuferliste“ gesetzt oder ihre Namen öffentlich über das „Tageblatt“ verbreitet und mit dem Hinweis an die Wirte ergänzt, Verabreichung geistiger Getränke an diese werde „als Förderung der Völlerei“ betrachtet und mit Entziehung der Konzession geahndet! Die Erörterung des Für und wider auch mäßigen Alkoholgenuss konnte sogar zu einem Politikum werden, wie ein Auszug aus dem Polizeiprotokoll über eine öffentliche Volksversammlung in dem Holzapfelschen Saale am 24. November 1889 belegt. Ein Gerbereiarbeiter führte nämlich in der Diskussion an: „Wenn unsere Arbeitgeber nachts im Wirtshaus sitzen und 20 bis 30 Schoppen Bier trinken und dann am anderen Morgen nicht aus dem Bett kommen, dann heißt es, sie seien unwohl. Wenn die Arbeiter aber ein Kännchen Schnaps und einen Schoppen Bier getrunken haben, dann heißt es, sie seien besoffene Schweine!“ So heizte offenbar die Gretchenfrage, wie man es denn mit dem Bier halte, auch früher schon die Gemüter an, und nach zwei bis drei „Schoppen“ soll es ja auch heute noch an manchem Stammtisch wahrlich „rund gehen“. „beim Bier gibt’s viele tapfre Leut“ oder „ Trunken geschwätzt, nüchtern vergessen“, glossierte der Volksmund dieses Verhalten. „Trink, aber sauf nicht; disputiere, aber rauf nicht!“, meint eine andere Redensart und reduziert damit das Problem einmal mehr auf die Frage nach der vertretbaren Menge.

Unser Eschweger Bier ist seit 150 Jahren nahezu identisch mit den drei Buchstaben „AKE“ und könnte noch zu mancher Betrachtung Anlass liefern. So fällt es einigermaßen schwer, sich bei der angesammelten Fülle des Materials beschränken zu müssen. „Klosterbräu“ war über die Jahrzehnte hinweg gewissermaßen ein „Stabilitätsfaktor“ und geradezu ein Synonym für Solidarität. Für diese Behauptung kann der Beweis erbracht werden. Im März 1913 feierte der Gesangsverein „Sängerklub“ sein 40 jähriges Bestehen, gleichzeitig damit das Jubiläum seines Vereinslokals und seines „Vereinsbieres“! Das Tageblatt schrieb: „Der Verein tagt nämlich seit seiner Gründung ununterbrochen im Stadtpark, wo er auch immer das treffliche Klosterbier getrunken hat.“ Zehn Jahre später, in den schweren Zeiten der Inflation, setzte der Gesangverein „Fortuna“ das Abendhonorar seines Dirigenten auf den Wert von jeweils 10 Glas Klosterbräu fest! So kam das Eschweger Bier sogar in den Rang einer inflationssicheren Währung, an der sich Gehälter orientierten. Hierzu passt eine in Eschwege damals verbreitete Anekdote: 1908 wurde die Klosterbrauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ernst Andreas und sein Schwager Eduard Döhle, der in der Stadt so genannte „Spanier“, waren die geschäftsführenden Direktoren. Wenn nun in Eschweger Haushalten die Ehemänner zum Früh- oder Dämmerschoppen gingen (oder zu beidem), und für das geliebte „Bierchen“ ein paar Groschen ausgaben, dann kommentierten die Ehefrauen gern: „ Hä ist jetzt „Aktionär“ biem Kloster!“ Und in einer stadtbekannten Familie soll es bei Anschaffung des ersten LKW durch die Klosterbrauerei in den zwanziger Jahren gehießen haben: „De Hinnerräder hästu´m Andres gekäuft!“

Geradezu rührend erscheint eine Feldpostkarte vom 10. Dezember 1914 „aus dem Feld in Frankreich“, weil sie in kurzer und eindrucksvoller Weise „Normalität“, „Heimat“ und „Frieden“ gleichgesetzt mit „Eschweger Klosterbräu“. Der Sänger Kurt Zeuch schreibt an seine Sangesbrüder von der „Fortuna“ u. a.: „Wollen hoffen, dass der ganze Schwindel bald vorüber ist und wir uns recht bald gesund und munter wieder sehen in der Heimat bei einem Gläschen Klosterbräu.“ Schließlich hat aber unser Bier in der Stadt auch noch für die „rechte Erleuchtung“ gesorgt. Nach Hochhuth wurde nach 1820, also wiederum etwa in der Zeit der Brauereibegründung, die Biersteuer zweckgebunden für die Anschaffung von Straßenlaternen verwendet! Im Hinblick auf die Einrichtung von Privatbrauereien schreib der Chronist: „Eine neue Einrichtung des Brauwesens hat dem Publikum sehr gutes Bier und der Stadt bereits 43 Laternen verschafft, welche die Straßen den Herbst- und Winterabenden beleuchten.“ Das war doch eine erfreuliche Methode für die Bürgermeister, durch Bier „zum Licht“ zu kommen! Aber sie hatten offenbar schon immer ein gutes Verhältnis zum Bier, wie eine Eingabe der hessischen Landstände an den Landgrafen von 1611 vermuten lässt: „Weiln auch in Stedten der Rath durchs ganz Jahr viell Mühe undt Arbeit, dargegen aber beinahe keine oder doch geringe Ergetzlichkeit haben, so bitten sie ihnen, zum wenigsten den Burgermeistern ihr Bihr.. ohne Steueren zu brauwen zu verstatten!“


„Dem Verdienste seine Kronen…“

So überschrieb der „Eschweger Anzeiger“ im August 1834 seinen Leitartikel, mit dem ein Eschweger Bürger „die dankbaren Gefühle eines Naturfreundes beim Besuch des Lemp´schen Felsenkellers an dem schönen, heiteren Sonntagmorgen, bei dem prachtvollen Aufgange der Sonne“ zu Papier brachte. Adam Lemp war 1815 aus dem Darmstädtischen als städtischer Braumeister nach Eschwege gekommen und hatte sich 1820 als Bierbrauer selbstständig gemacht. 1833 hatte er – nur rund zwanzig Fußminuten vom „Neuen Tor“ am Schloß entfernt – ein Lokal an der Landstraße nach Reichensachsen erbaut, das dann im Besitze von Ludwig Aulepp und zuletzt als „Andreas Felsenkeller“ gewissermaßen Eschweger Gastronomiegeschichte schrieb. Zu der mit einer großen schattigen Terasse unter Lindenbäumen, gemütlichen Gasträumen und einem „Honorationsstünchen“ versehenen Gaststätte sind ganze Generationen von Eschwegern gepilgert, um das für die damaligen Ansprüche ausgezeichnete, kühl gelagerte und gepflegte „Felsenbier“ zu genießen. Unser Anonymus von 1834 überschlägt sich fast vor Lob: „Wem sollte die vorher statt findende, unzweckmäßige, durchaus nicht mehr zeitgemäße, durch Privilegien eingeschränkte Einrichtung des Reihebrauens nicht noch im Andenken seyn? Wer solle es nicht eingesehen haben, wie das so schädliche Branntweintrinken bei dem Mangel an gutem, gesundem Bier allgemein überhand nahm, und der Vermögende in Ermangelung desselben seine Zuflucht zum Weine nehmen musste! Schon stellen sich die wohltätigen Folgen heraus, schon bemerken stille, teilnehmende Beobachter wie allmählich das Sitten verderbende und Gesundheit zerstörende Brannteweintrinken sich mindert…“

Förderlich für das allgemeine Wohlergehen aber sei – so der Einsender – einzig das „gute Felsenbier“, auf das man sich bei einem solchen Brauer, „der das Gute und das Schöne will und fördert“, immer verlassen könne. Welche schwärmerische Worte für eine eigentlich „gewöhnliche“ Sache: ein Bier! Über den späteren langjährigen Wirt des Felsenkellers an der Reichensächser Landstraße, Ludwig Aulepp, „selbst ein erfahrener Bierbrauer“ der dort oben sein Bier lagerte und verzapfte, ergibt sich die Verbindung zu einer anderen traditionsreichen Eschweger Braustätte. Im März 1840 kaufte nämlich der bekannte Eschweger Kaufmann Jacob Christoph Heinemann (1794-1863), der berühmte „Lützower Jäger“, der sich auch für die industrielle Förderung in der Stadt sehr verdient gemacht hatte u. a. durch Gründung einer Runkelrübenzuckerfabrik 1836 in Niederhone, das Gelände an der Ecke zwischen Schildgasse und Schlossplatz, auf dem dann später die bis heute noch existierende Gastwirtschaft „Zur Pinke“ eingerichtet wurde.Heinemann baute auf dem durch Teile des Nachbargrundstücks vergrößerten Gelände einer Brauerei, die bis in die Zeit um 1875 auch noch Bier braute.


Der Andreas-Felsenkeller an der Reichensächser Landstraße, 1840. (Gemälde von Ernst Metz 1955)

 

Von ihm eingestellte bayrische Brauer sollen ein so gutes Bier hergestellt haben, dass man es bis nach Bremen verschiffte. George Aulepp kaufte dann die Brauerei und schänkte das dort hergestellte Bier im Felsenkeller auf der Reichensächser Höhe aus, bei Ludwig Aulepp, vermutlich seinem Bruder. Über Jacob Friedrich und Reinhard Ludwig Hempfing, beide Gartenwirte „vor dem neuen Tore“ auf dem heutigen HaWeGe - Grundstück in der Bahnhofstraße, gelangte die Brauerei 1865 an deren Bruder Carl Christian Hempfing, der dort rund 50 Jahre Brauerei und Gaststätte betrieb. Hempfing, selbst ein gelernter Bierbrauer, errichtete dann in den Gründerjahren eine neue Brauerei auf seinem Grundstück in der Bahnhofstraße, die bis 1922 fortbestand. Als „Hempfing´sche Brauerei und Gaststätte“, mit Biergarten, Tanzfläche, Saal und Kegelbahn sah die später in „Erste Kulmbacher“ umgetaufte Gastwirtschaft so manches Vereins- und Familienfest.

Noch Jacob Christoph Heinemann hatte übrigens auf dem Grundstück an der Bahnhofstraße direkt am Werraufer einen großen Eiskeller anlegen lassen, der den Hempfings lange Jahre als Bierkeller diente und im letzten Weltkrieg noch als Luftschutzkeller genutzt wurde! Die Brauerei in der Schildgasse war Mitte der 70er Jahre aufgegeben und der nach Abriss freigewordene Platz zur Vergrößerung der dann so genannten „Pinke“ verwendet worden. Alte Fotos zeigen Saal, Konzertgarten und Musikpavillon. Der schon zitierte Dr. Carl Schreiber nennt in seiner Beschreibund des Physikatsbezirks Eschwege für die Stadt Eschwege um 1849 sieben Bierbrauereien mit insgesamt 50 Beschäftigten und sechs Felsenkeller zur Aufbewahrung des dort gebrauten Bieres. Eine im „Wochenblatt“ veröffentlichte Qualitätsprüfung der in Eschwege gebrauten Biere erwähnt im April 1853 die Brauereien von George Aulepp, Jacob Methe, Johann Gelder, Friedrich Hempfing und Christoph Andreas. Eine Notiz von 1848 spricht vom Bierbrauer Gelder „am Staade“. In den 80er und 90er Jahren verringerte sich die Zahl der Bierproduzenten immer mehr, 1907 waren es ihrer schließlich nur noch drei: Carl Hempfing, Brill & Co. und J. Andreas Wwe.

Damit ist ein weiterer, heute kaum noch bekannter Brauereistandort genannt: Die Brauerei von Otto Brill in der Cyriakusstraße, die „alte Brauerei“ am „Lemburg“ in der Nähe des Cyriakusbaches. Als „Brauerei Leuchtberg“ wurde diese als technisch moderne „Dampfbrauerei“ ausgewiesene Produktionsstätte 1877 gegründet. Die Brauerei „Otto Brill & Co.“ hatte bald in Eschwege und Umgebung ansehnliche Marktanteile und konnte auch durch die Güte ihres Bieres überzeugen. Im September 1884 jedenfalls ließ der Bierbrauer Brill das Ergebnis einer Flaschenbierprüfung als Inserat in die Heimatzeitung einrücken, in dem es u. a. bei der Aufzählung der im Bier notwenigen Bestandteile hieß: „Diese Zahlen sind in allen Punkten normal.“ Auch damals heilt man es selbstverständlich bei einem so wichtigen „Nahrungsmittel“ wie dem Bier mit dem Reinheitsgebot recht genau, denn es wurde weiter festgestellt: „ Mit aller Bestimmtheit geht aus der Analyse hervor, dass fremde Zusätze von Glycerin oder ähnlichen Surrogaten nicht darin vorhanden sind.“ Beruhigt konnte Brill den Wunsch aussprechen, dass das „vorstehende Resultat unseren geehrten Kunden und Konsumenten vorläufig als Beweis der vollständigen Reinheit unseres Bieres“ diene. Otto Brill, Urgroßvater des heutigen „Kronenwirtes“ gleichen Namens, war ursprünglich – wie seine Sippe seit Jahrhunderten – Lohgerber gewesen und hatte durch die Heirat der Luise Bödicker, Tochter des 1829 geborenen Bierbrauers Reinhard Bödicker, der noch am Stadt gebraut hatte, Zugang zum Braugewerbe gefunden.


Der obere Stadt mit der "Goldenen Krone". (Foto Chr.Wessel ca.1890).

1877 baute er dann die Brauerei in der Cyriakusstraße, die in den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende auch „Bergschlösschen-Brauerei“ genannt wurde. Die Gaststätte „Zur goldenen Krone“ am Stad, das Stammhaus also eigentlich, wurde noch vor rund hundert Jahren wechselweise als Gaststätte der „Wwe. Bödicker“ oder als Lokal „Otto Brills“ bezeichnet. Ende April 1889 sorgte Otto Brill auf ganz andere Weise für eine Schlagzeile im „Eschweger Tageblatt“, denn er hatte eine der ersten privaten Fernsprechleitungen zwischen der Brauerei vor dem Leuchtberg und der „Krone“ am Stad legen lassen. Anerkennend kommentierte die Heimatzeitung: „Mit der Ausführung der Anlage war der schon in früheren Jahren in der Elektrotechnik tätige Mechanikus Herr Günther dahier betraut und hat sich diese, wie man hört, seiner Aufgabe durch besten, sachverständige Ausführung entledigt.“ Die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Brauerei wurde mit dem

01. Januar 1912 von der Andreas Klosterbrauerei übernommen, und lange hielt noch die Diskussion um die Frage an, ob das Klosterbräu nicht dort oben weiter hergestellt werden sollte. Noch im April 1913 wurde in der Zeitung erörtert, ob künftig vielleicht das Eschweger Bier nur noch in der „Bergschlösschen-Brauerei“ gebraut würde, doch die Brauerfamilie Andreas entschied sich dann für das „Kloster“! In den 70er und 80er Jahren schließlich betrieb draußen am Fuß des großen Leuchtbergs, beim „Felsenkeller“, Friedrich Philipp Lieberknecht die ursprünglich „Lieberknecht´sche Brauerei“, die 1883 im Besitze von Wilhelm Köhler war und sich 1890 als Firma „Lieberknecht und Köhler“ nannte. Seit 1899 versuchten sich hier die Außenseiter Otto Menthe und Johannes Strauß aus Grebendorf als Bierbrauer, mussten jedoch schon 1904/05 den Betrieb aufgeben. 1906 übernahm die Familie Andreas auch diese Brauerei samt der Gaststätte am Felsenkeller.

 

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